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Wir haben was gegen sexistische Werbung - Sie auch?

Werbung erzeugt Aufmerksamkeit und wirbt für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Zugleich transportiert sie Werte und Verhaltensweisen und drückt ein Lebensgefühl aus. Damit prägt sie direkt oder indirekt unser Bild von Frauen und Männern, von Mädchen und Jungen. Darum ist es nicht egal, wie Werbung mit Rollenbildern umgeht und ob sie sexistische Botschaften und Klischees vermittelt.
 
 
 
 

Was ist Sexismus in der Werbung?

Dies ist das Motiv einer Postkarte, die die ZGF zum Thema sexistische Werbung herausgegeben hat mit dem Motto:
Postkartenaktion der ZGF.

Sexismus bedeutet die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Dies umfasst Vorurteile und Verhaltensweisen, die Frauen – und auch Männer - abwerten, verächtlich machen oder auf ihre bloße Sexualität reduzieren. Kritik an sexualisierter Werbung ist in den vergangenen Jahren zunehmend lauter geworden.
 
Menschen sind zunehmend nicht mehr bereit, Sexismus und Diskriminierung in der Werbung hinzunehmen. Das hat nichts mit Lustfeindlichkeit, Prüderie oder Humorlosigkeit zu tun und ist auch keine bloße „Geschmacksfrage“. Es geht darum, Rollenzuschreibungen zu überwinden und öffentliche Herabwürdigungen nicht zu tolerieren.
 
 
 
 

Was können wir gegen sexistische Werbung tun?

Für Beschwerden bei diskriminierender Werbung ist der Deutsche Werberat zuständig. Der hat als freiwillige Schiedsstelle der Werbewirtschaft allgemeine Regeln aufgestellt. Darin heißt es unter anderem:

„Werbung genießt den grundrechtlichen Schutz der Freiheit der Meinungsäußerung. Diese Freiheit kann jedoch nicht schrankenlos sein. Sie findet ihre Grenzen in den allgemeinen Gesetzen und den schutzwürdigen Belangen anderer. Dazu zählen insbesondere die für die gesamte staatliche und gesellschaftliche Ordnung geltenden Prinzipien des Schutzes der Menschenwürde und der Nicht-Diskriminierung sowie des Kinder- und Jugendschutzes."

Wenn der Werberat entscheidet, ein Werbemotiv sei diskriminierend, wird dem Unternehmen die Möglichkeit gegeben, das beanstandete Motiv zu verbessern oder zu entfernen. Unterbleibt das, ist die nächste und letzte Sanktion des Werberats die öffentlich ausgesprochene Rüge.

Vielen Menschen geht die Handhabe durch den Deutschen Werberat nicht weit genug. Überdies haben sie Kritik daran, wie der Werberat mit Beschwerden wegen sexistischer Werbemotive umgeht – viele werden zurückgewiesen.
 
 
 
 

Land Bremen: Eigene Handhabe und Beschwerdestelle

In Bremen gibt es seit April 2017 eine eigene Handhabe, um sexistische Werbung von öffentlichen Flächen des Landes und der Stadt Bremen zu verbannen. Auf Werbeträger in privater Hand haben Land und Stadt dagegen keinen Einfluss.
Der Bremer Senat hat hierfür ein Verfahren beschlossen. Grundlage sind die Grundsätze des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung.

Bürgerinnen und Bürger können sich mit einer Beschwerde über anstößige Motive an eine zentrale Stelle wenden, diese aufnimmt und bewertet. Beschwerdestelle ist die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). Sie prüft den Sachverhalt und gibt ihre Einschätzung an die für die Fläche zuständige Fachbehörde weiter. Die Entscheidungsbefugnis darüber, ob ein beanstandetes Plakat abgehängt wird, bleibt letztlich der zuständigen Fachbehörde vorbehalten.

Sie ärgern sich über eine sexistische oder diskriminierende Werbung auf einer öffentlichen Fläche? Kontakt für eine Beschwerde: office@frauen.bremen.de´
 
 
 
 

Zur Vorgeschichte in Bremen: Petition gab den Anstoß

In Bremen hatte eine Petition dazu geführt, dass das Thema sexistische Werbung in der Bremischen Bürgerschaft debattiert wurde. Der Bürgerschaft beschloss 2013, gegen sexistische und diskriminierende Werbung vorzugehen.

Bremische Petition
Petition zum Verbot sexistischer Werbung auf öffentlichen Grundstücken

Bremische Bürgerschaft
Beschlussprotokoll der Bremischen Bürgerschaft im Jahr 2013: "Sexistische, diskriminierende und frauenfeindliche Werbung vermeiden" (Nr. 18/895)
 

Weitere Informationen

Die Initiative Pinkstinks, die sich gegen Geschlechterdiskriminierung nicht nur in der Werbung stark macht, hat inzwischen ein hohes Mobilisierungspotenzial. Seit August 2017 ist das vom Bundesfamilienministerium geförderte Webformular werbemelder.in zum einfachen Melden sexistischer Werbemotive verfügbar - die hier eingehenden Beschwerden gehen samt Einschätzung durch Pinkstinks online, womit transparent wird, welches Unternehmen wo und wann mit Sexismus wirbt.

Auch Terre des femmes, Menschenrechte für die Frau e. V. engagiert sich zu diesem Thema.