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Barrierefreie gynäkologische Praxis in Bremen

Bundesweites Vorbild

Gruppenbild mit fünf Frauen

Im Oktober 2011 ging Bremens erste barrierefreie gynäkologische Praxis an den Start. Die Praxis ist ein gemeinschaftliches Projekt des Klinikums Bremen Mitte, der kassenärztlichen Vereinigung und der Senatorin für Gesundheit.

Alle Informationen zur Praxis stehen hier als Faltblatt zum Herunterladen bereit (pdf, 251.5 KB) und finden sich auf der Website der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen.

Die Initiative dafür ging 2008 von der Beratungsstelle Selbstbestimmt Leben, dem Bremer Netzwerk behinderter Frauen und der Bremischen Gleichstellungsstelle aus. Sie wiesen in einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung darauf hin, dass es in Bremen und Bremerhaven keine gynäkologische Praxis gibt, die für Frauen im Rollstuhl uneingeschränkt barrierefrei zugänglich und nutzbar ist. Die Folge ist, dass es für Frauen mit Behinderung nicht selbstverständlich ist, regelmäßige gynäkologische (Früherkennungs-) Untersuchungen in Anspruch zu nehmen – was im schlimmsten Fall mit fatalen gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Frauen verbunden ist.

Die neue Praxis im Klinikum Bremen Mitte schafft Abhilfe. Sie wird von mehreren niedergelassenen FrauenärztInnen gemeinsam genutzt, die abwechselnd Sprechstunden anbieten. Das ermöglicht den behinderten Frauen zumindest in Ansätzen eine freie Arztwahl.

Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe ist froh, dass es in Bremen endlich dieses Angebot gibt: "Es kann nicht sein, dass Frauen aufgrund Ihres Handicaps selbstverständliche medizinische Angebote vorenthalten werden. Gemäß der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen - seit März 2009 rechtskräftig auch in Deutschland - muss gewährleistet werden, dass Menschen mit Behinderung nach Artikel 25 Zugang zu geschlechtsspezifischen Gesundheitsdiensten haben. Für die behinderten Frauen im Land Bremen ist die Eröffnung der gynäkologischen Ambulanz ein echter Meilenstein. Mein Dank gilt den beteiligten Expertinnen in eigener Sache von Selbstbestimmt Leben und dem Bremer Netzwerk Behinderte Frauen."

Modernes technisches Gerät

Die Praxis ist barrierefrei erreichbar und verfügt über eine besondere Ausstattung, die man sonst so nicht in Bremen findet: Dazu gehört ein höhenverstellbarer und absenkbarer Untersuchungsstuhl, ein Hebelifter, eine höhenverstellbare Liege und selbstverständlich ein rollstuhlgerechtes WC.

Andrea Sabellek von Selbstbestimmt Leben und Swantje Köbsell vom Bremer Netzwerk behinderter Frauen, beide Rollstuhlnutzerinnen, gehören zu denen, die das Projekt von Anfang an aktiv begleitet haben: "Wir wussten, dass es schwer und anstrengend wird, aber mit manchen Schwierigkeiten haben wir definitiv nicht gerechnet!" Nicht nur, dass geeignete Räumlichkeiten und die notwendigen Gelder beschafft werden mussten, ein geeigneter Träger musste gefunden und abrechnungstechnische Fragen geklärt werden. Dass alle diese Probleme gelöst werden konnten, ist nicht zuletzt das Verdienst eines runden Tisches, der von der ZGF und dem Gesundheitsressort ins Leben gerufen und moderiert wurde und in dem neben diesen der Landesbehindertenbeauftragte, die Kassenärztliche Vereinigung Bremen, der Berufsverband der Frauenärzte, die Ärztekammer Bremen, SelbstBestimmt Leben e.V., das Bremer Netzwerk behinderter Frauen und sowie einzelne Krankenkassen mitgearbeitet haben.

"Dass die barrierefreie Praxis jetzt eröffnet werden kann, ist ein großer Erfolg für die mobilitätsbeeinträchtigten Frauen in Bremen", freuen sich Köbsell und Sabellek. "Aber damit können wir uns natürlich langfristig nicht zufrieden geben. Alle Angebote im Gesundheitsbereich müssen barrierefrei nutzbar und auf die besonderen Bedürfnisse behinderter Menschen ausgerichtet sein. Erst dann kann man sagen, dass wir wirklich den gleichen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung haben wie nichtbehinderte Menschen."