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Informiert entscheiden

Früherkennungs- oder Screening-Programme richten sich an bestimmte Gruppen gesunder Menschen, werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und breit beworben. Aus Sicht vieler ExpertInnen fehlt es allerdings häufig an für Laien verständliche Informationen über deren Vorteile und Grenzen bzw. Risiken. Laut Studien wird der Nutzen dieser Untersuchungen und das eigene Risiko für Krebserkrankungen sowohl von den Teilnehmenden als auch von ÄrztInnen häufig überschätzt.

Um eine informierte Entscheidung für oder gegen eine eigene Teilnahme treffen zu können, müssen laut General Medical Council von 1999 die Erläuterung über den Zweck der Maßnahme und die Angabe der Wahrscheinlichkeit von falsch-positiven und falsch-negativen Befunden in verständlicher Weise vermittelt werden. Ziel muss die informierte Entscheidung sein und nicht die "Werbung" für eine hohe Teilnahmequote.
 

Beispiele guter Praxis:

Brustkrebs-Screening

In den Medien und vielen Informationsbroschüren zum Brustkrebs-Screening wird nicht ausreichend über den Nutzen und fehlenden Nutzen informiert oder über Risiken und deren Folgen. Dazu gehören Angaben zur Strahlenbelastung, aber auch über die Möglichkeit, dass ein Brustkrebs diagnostiziert werden kann, der ohne Früherkennung zu Lebzeiten nicht erkannt und klinisch auffällig geworden wäre. Ebenfalls können Mammakarzinome durch das Screening früher erkannt werden, ohne dass sich die Lebenserwartung und –qualität dadurch verbessern. Diese können sich durch die Diagnose und dann eingeleitete Therapie sogar verschlechtern.

Die Möglichkeit, dass Frauen das Screening aufgrund solcher Informationen ablehnen, darf kein Grund sein, Informationen vorzuenthalten.
Um Frauen eine informierte Entscheidung zu ermöglichen, hat das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit, in dem auch das Bremer Forum Frauengesundheit Mitglied ist, mit der Broschüre "Brustkrebsfrüherkennung – Informationen zur Mammografie" (pdf, 975.5 KB) evidenzbasiertes Aufklärungsmaterial für potentielle Teilnehmerinnen des Screenings erstellt.

Die Broschüre "Mammografie-Screening - Was MultiplikatorInnen vor Ort wissen sollten" können Sie hier (pdf, 1.6 MB) herunterladen.
 

HPV-Impfung

Seit Herbst 2006 können sich Mädchen und Frauen in Deutschland gegen Humane Papillom-Viren (HPV) impfen lassen. Humane Papillom-Viren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen und können Zellveränderungen am Gebärmutterhals hervorrufen. Das individuelle Risiko für Frauen, an Gebärmutterhalskrebs zu sterben, beträgt dank der Früherkennungsuntersuchungen in Deutschland und aufgrund des langsamen Verlaufs etwa 0,3 Prozent. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat 2007 die Impfung für alle Mädchen und jungen Frauen zwischen 12 und 17 Jahren empfohlen. Die Impfung ist in Deutschland seit Beginn umstritten.

Einen Beitrag zur Information von Frauen/Eltern über Nutzen und Risiken der Impfung leistet eine Broschüre, herausgegeben vom Nationalen Netzwerk Frauen und Gesundheit. Neben der Problematisierung der HPV-Impfung wird hier auch die derzeitige Qualität der Früherkennungsuntersuchungen (PAP-Abstrich) in Deutschland kritisch hinterfragt. Die entsprechende Broschüre können Sie hier (pdf, 1.6 MB) als pdf herunterladen.

Hier (pdf, 105.2 KB) finden Sie die gemeinsame Bremer Erklärung.

Darüber hinaus hat das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit einen Flyer für Mädchen herausgegeben, der kurz, prägnant und zielgruppenorientiert Informationen über die Impfung gibt. Den Flyer finden Sie hier (pdf, 202 KB).

Im November 2012 haben sich der pro familia Bundesverband und das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit zudem in einer gemeinsamen Tagung mit dem Thema HPV-Impfung beschäftigt. Die Dokumentation der Tagung können Sie hier (pdf, 476 KB) ansehen und herunterladen.

 

BUK0 Pharma Kampagne

Die ZGF und das Bremer Forum Frauengesundheit engagieren sich zusammen mit 33 anderen europäischen Organisationen aus dem Verbraucher-/Gesundheitsbereich dafür, dass Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Europa verboten bleibt. Gefordert wird stattdessen eine unabhängige, evidenzbasierte Informationspflicht zu Arzneimitteln und Medizinprodukten für NutzerInnen und PatientInnen.

Für eine industrieunabhängige Patienteninformation (pdf, 308 KB)
Pressemitteilung: Aus für EU-Gesetzesentwurf zu Patienteninformation – Ein Erfolg für den Verbraucherschutz