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Mädchenthemen

Stereotype wirken durchgängig, formen alle Lebensbereiche. Mit den Mädchen gemeinsam Wege der kritischen Auseinandersetzung damit zu finden – Stereotypen mit ihren eigenen Erfahrungen, Wünschen, Zielen zu konfrontieren ist ein zentrales Anliegen von Mädchenarbeit. Hieraus ergeben sich die Lebensthemen für die Arbeit - ein dynamischer Prozess.

Mädchen in ihrer Entwicklung begleiten
Berufsfindung und Lebensplanung
Leben zwischen den Kulturen
Mit Gewalt umgehen
Mädchen in Bewegung – Mädchen und Mobilität
Mädchen und Medien
Mädchen beteiligen

Mehr zum Thema finden Sie auf der Unterseite Arbeitskreis Mädchenpolitik

Mädchen in ihrer Entwicklung begleiten

Mädchenarbeit begleitet Mädchen und junge Frauen auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden. Es gilt, die eigene Identität unabhängig von hierarchischen Maßstäben zu finden, Stereotype wahrzunehmen und zu reflektieren. Die Angebote ermöglichen Freiräume, so dass Mädchen Veränderungspotentiale entdecken und nutzen können. Um ihren eigenen Weg zu finden, brauchen sie neben dem kritischen Blick auf die Vorstellungen, Bilder, Erwartungen, die sie prägen, konkrete Erfahrungen und Anregungen, wie es anders sein könnte, aber auch Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen.
Selbstständigkeit fördern, Begegnung mit Gleichaltrigen ermöglichen, individuelle Stärken sichtbar machen und verstärken: so gewinnen Mädchen und junge Frauen Selbstvertrauen. Dazu gehört auch, gesellschaftliche Verhältnisse zu erkennen und konstruktiv mit Ungerechtigkeiten, Ausgrenzungen und Diskriminierungen umzugehen, Handlungsstrategien zu entwickeln und nicht zu resignieren.
Auf der Suche nach ihrer Identität bewältigen Mädchen wichtige Lebens- und Entwicklungsthemen. Körper und Attraktivität, Schönheit – hiermit müssen sich Mädchen heute mehr denn je auseinandersetzen. Hier begegnen ihnen enge Normen und Bewertungen. Den eigenen Körper mögen und akzeptieren – dies wird Mädchen vermittelt. Dazu gehört z.B. eine Beschäftigung mit Aussehen, Mode, Krankheiten. Liebe, Sexualität. Beziehungen – zu Jungen, Eltern und Freundinnen sind wichtige Themen für Mädchen. Mädchen und junge Frauen sind mit Anforderungen an ihre sexuelle Aktivität oder gar Gruppendruck konfrontiert, es ist wichtig, ihnen Luft zu verschaffen und diesen entgegen zu wirken.

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Berufsfindung und Lebensplanung

Eine Reihe von Mädchen machen in der Schule die besseren Abschlüsse, aber sie können diese oft nicht für eine entsprechende Berufswahl, einen Ausbildungsplatz im dualen System oder für eine berufliche Karriere nutzen. Und es gibt nicht wenige Mädchen, die es schwer haben und in ihren Möglichkeiten besonders benachteiligt sind. Lebensplanung/Berufsfindung ist für die Gleichstellung ein Dreh- und Angelpunkt. Erfahrungen von Mädchen bei Betriebspraktika, Einfluss der Eltern sowie eine reflexive Auseinandersetzung mit den Stereotypen der Mädchen sind wichtige Themen der Arbeit. Mädchen brauchen Vorbilder und gute Beispiele sowie eine Berufsberatung, der es gelingt, sie bei ihren Vorlieben abzuholen aber ebenso zu "anderem" zu ermutigen.
Mädchenarbeit ist aber auch ein gutes und wichtiges Korrektiv gegen eine zunehmende Verengung in der Berufsorientierung, die zu früh und zu zielgerichtet bahnt.

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Leben zwischen den Kulturen

Mädchen und junge Frauen mit Migrationserfahrung, sei es persönlich oder in ihrer Familiengeschichte, müssen die Wertvorstellungen ihres Heimatlandes bzw. das ihrer Eltern/Großeltern und der neuen Heimat zusammenbringen. Sie müssen sich u. U. mit traditionell patriarchalischen Wertvorstellungen und religiösen Gewohnheiten ihrer Eltern bzw. Großeltern auseinandersetzen. Nicht immer sind diese mit der kulturellen Orientierung des Aufnahmelandes vereinbar.
Transkulturelle Mädchenarbeit ist sich dieser widersprüchlichen Lebenswelt bewusst. Sie unterstützt Mädchen und junge Frauen darin, sich, ohne einen Verlust der eigenen kulturellen Identität zu befürchten, mit ihrer Identität und sozialen Rolle auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht Mädchen, aus verschiedenen Kulturen zu schöpfen und ihre Identität mit eben diesen vielfältigen kulturellen Akzenten erweitern zu können.
Mädchen und junge Frauen brauchen die Freiheit, sich auch abweichend von der soziokulturell zugewiesenen sozialen Geschlechterrolle zu verhalten. Entsprechende Mädcheneinrichtungen ermöglichen Mädchen und jungen Frauen mit homo- oder transsexueller Orientierung, sich in geschützter und privater Atmosphäre austauschen zu können. Unter pädagogischer Anleitung von Frauen, die in der Regel sich selbst als lesbisch, bi- oder transsexuell definieren, treffen sie dort Gleichgesinnte, mit denen sie nicht nur über Probleme und Diskriminierungserfahrungen sprechen, sondern auch Kontakte knüpfen und Freizeitaktivitäten genießen können.

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Mit Gewalt umgehen

Gewalt, vor allem männliche (sexualisierte) Gewalt, belastet die Lebensgestaltungsmöglichkeiten vieler Mädchen und junger Frauen. Dazu gehören auch Diskriminierung und Übergriffe in/mit neuen Medien. Es gehört zu den Kernaufgaben von Mädchenarbeit, das Thema Gewalt in seinen verschiedenen Formen und den unterschiedlichen Folgen in einem geschützten Rahmen zu besprechen.
Voraussetzung von Prävention und Intervention ist die Sensibilität und das Bewusstsein der Professionellen über die körperliche und psychische Verletzbarkeit der Integrität von Mädchen. Dies gilt insbesondere bei Verdacht auf sexuelle Gewalt gegen Mädchen.

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Mädchen in Bewegung – Mädchen und Mobilität

Mädchenspezifische erlebnispädagogische Angebote ermöglichen ein Zugangsfeld frei von eingefahrenen Beziehungsmustern. Hier gibt es keine unmittelbaren Vorbilder, Bilder können weitgehend selbst entwickelt werden, vieles wird möglich. Neue Lebens- und Handlungsräume erweitern ihre soziale Kompetenz, verbinden "Herz und Verstand" und stärken ihr Selbstwertgefühl. Mädchen eignen sich so öffentliche Räume an, machen Grenzerfahrungen und entdecken "Verdecktes" an sich.
Mobilität – im Sinne von europäischen oder internationalen Begegnungen – ist für Mädchen (und die Mädchenarbeit) ein recht neues Aktionsfeld. Freiwilliges Europäisches Jahr, ‚Weltwärts’ Programm der Bundesregierung oder auch kurzzeitpädagogische internationale Begegnungen und Seminare sind eine gute Chance für Mädchen. Erlebnispädagogische, europäische oder internationale Begegnungen lassen sich hervorragend in einer Zusammenarbeit zwischen Schule und Mädchenarbeit verwirklichen.

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Mädchen und Medien

'Jugendkulturen' sind nach wie vor meistens männlich dominiert. Artikulationsformen und Lebenswelten von Mädchen und jungen Frauen werden weniger öffentlich wahrgenommen. Obgleich sie mittlerweile fast alle Zugang zu einem Computer haben bzw. einen PC besitzen, sind die Nutzungsunterschiede evident: Während Mädchen Kommunikation und Kooperation mit anderen via PC bevorzugen, spielen Jungen in der Freizeit nicht nur intensiver Action-Spiele und kommunizieren über technische Finessen, sondern sie definieren sich in ihrer Geschlechtsidentität auch stärker darüber.
Mädcheneigene Angebote können den Zugang zu modernen Medien erleichtern, ihnen die Entwicklung spezifischer Kompetenzen aber auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Medienwelten ermöglichen (z.B. Übergriffe und Missbrauch).

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Mädchen beteiligen

Mädchen haben (wie Jungen) das Recht, sich an allen sie betreffenden Entscheidungen von Politik und Jugendhilfe zu beteiligen – und müssen gehört werden. Partizipation ist aber nicht nur eine Frage von Durchsetzung von Rechten, sondern auch nach der Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Grenzen. Mädchen möchten sich an der Gestaltung ihrer Lebensumwelt beteiligen und sind vielfach bereit sich zu engagieren. Mitbestimmung lernen, Verantwortung übernehmen, Mitbestimmung in demokratische und politische Prozesse zu integrieren - hier bietet Mädchenarbeit ein gutes Übungsfeld.
Dabei ist es die Kunst, die jeweiligen Beteiligungsform so zu gestalten, dass sie auch Mädchen motiviert und erreicht. Was ist das richtige Modell für die Mädchen? Wie gelingt es sie so zu beteiligen, dass sie sich in der Umsetzung wieder finden und erleben, wozu sie in der Lage sind, was sie mit gestalten können? Dadurch werden sie ermutigt, sich Machtträume zu erlauben – indem sie sich auch Machträume erobern.