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Geschlechtergerechte Sprache: Mitmeinen ist lang vorbei

Eine Orientierungshilfe

Geschlechtergerechte Sprache: Was ist das? Wieso hat Sprache mit Geschlecht zu tun und warum wird immer öfter gefordert, den Sprachgebrauch zu hinterfragen? Hier gibt es Antworten und einen Überblick über praktische Orientierungshilfen.

Wenn von Erziehern die Rede ist, dazu aber Bilder von Frauen mit Kindern – also Erzieherinnen – erscheinen, dann wird besonders augenfällig, wie sehr unsere Sprache immer noch vom männlichen „Normalfall“ ausgeht, und das nicht nur in den Medien. Und es wird deutlich, wie falsch das ist. Sprache ist das Medium, uns zu verständigen, die wahrgenommene Realität wiederzugeben und sie prägt das Denken. Deshalb ist es keine Nebensache, ob von Erziehern gesprochen wird, wenn 93 Prozent dieser Berufsgruppe Frauen sind.

Wenn Frauen und Männer gemeint sind, sollte dies auch so benannt werden. Denn das „Mitgemeintsein“ von Frauen in der männlichen Form (generisches Maskulinum) macht Frauen unsichtbar, nicht existent. Wie oft ist von Ärzten, Studenten, Professoren die Rede, gemeint sind beide Geschlechter, und wie oft von Putzfrauen und Krankenschwestern, wenn Putzkräfte und Pflegepersonal gemeint sind. Hier werden traditionelle Rollenbilder sprachlich zementiert. Eine psychologische Studie der Freien Universität Berlin hat 2015 beispielsweise festgestellt, dass geschlechtergerechte Sprache die Berufsvorstellungen von Kindern beeinflusst. Sprache kann Stereotype festschreiben – aber sie kann ihnen auch entgegenwirken.
 

Was tun? Formen der geschlechtergerechten Sprache

Geschlechtergerechte Sprache muss nicht immer umständlich, kompliziert oder schwergängig zu lesen sein – das sind gern vorgebrachte Argumente gegen ihre Nutzung. Wenn beide Geschlechter gemeint sind, sind auch beide zu benennen. Zum Beispiel: Studentinnen und Studenten. Oder es ist eine Formulierung zu wählen, die sie umfasst oder neutral ist. Zum Beispiel: Studierende. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Schreibweisen, die genutzt werden: etwa das Binnen-I (StudentInnen), das beide Geschlechter beinhaltet. Der Unterstrich (Student_innen) oder der Gender-Star*/das Gender-Sternchen (Student*innen) beziehen diejenigen mit ein, die sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen.
 

Orientierungshilfen und praktische Leitfäden

Zugegeben: Geschlechtergerechtes Formulieren ist nicht immer einfach. Es gibt unzählige Zusammenhänge, in denen es greift. Ein Patentrezept, die eine Lösung, die immer funktioniert – die gibt es deshalb nicht. Aber es gibt Orientierungshilfen.

Eine Auswahl:
Orientierungshilfe für eine gendergerechte Sprache der Bremer Hochschulen
Leitfaden für eine geschlechtersensible und inklusive Sprache der Universität Köln
Kurzanleitung zum geschlechtergerechten Formulieren der Stadt Nürnberg
Leitfaden geschlechtergerechte Sprache der Landesarbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten in Schleswig-Holstein
 
Eine umfassende Zusammenstellung zahlreicher bis 2010 erschienener Handreichungen und Analysen liefert das Genderkompetenzzentrum.
 

Land Bremen: Geschlechtergerechte Amtssprache

Amtssprache soll geschlechtergerecht sein, das gilt im Bundesland Bremen seit 1985. Seitdem gibt es einen „Runderlass“ für die bremische Verwaltung, der sie anweist, dass in Vordrucken der Verwaltung der Grundsatz der Gleichbehandlung von Frauen und Männern inhaltlich und sprachlich beachtet wird. Vier Jahre später wird ergänzt, dass geschlechtergerechte Sprache nicht nur in Vordrucken, sondern allen Veröffentlichungen zu verwenden sei. Im Jahr 2006 bekräftigt der Senat anlässlich einer Anfrage „Geschlechtergerechte Amtssprache“ noch einmal: „Für den Senat ist die Gleichstellung von Frauen und Männern unter Beachtung des Gender Mainstreaming durchgängiges Leitprinzip und wird in allen Bereichen gefördert; dies gilt auch für die Sprache der bremischen Verwaltung.“
Die Stadt Bremerhaven hat 2015 ihre Stadtverfassung überarbeitet und gendergerecht formuliert.