Sie sind hier:

Für (alleinerziehende) Mütter und Väter

Analyse

, jpg, 59.6 KB

Dass Beruf und Familie vereinbar sein müssen, ist im gesellschaftlichen Diskurs angekommen. Die bekannten frauenpolitischen Forderungen nach Kinderbetreuung, einer neuen Zeitpolitik und der stärkeren Orientierung der Erwerbsarbeit an der Familienwelt sind noch längst nicht erfüllt. Es bleibt politische Aufgabe, Rahmenbedingungen zu gestalten und Strukturen zu schaffen, die es ermöglichen, Erwerbsarbeit mit Familienarbeit gut zu vereinbaren – für Väter wie Mütter.
Dabei darf Vereinbarkeitspolitik die tradierten Leitbilder über Geschlechterrollen und familiäre Arbeitsteilung nicht fortschreiben, sondern muss ihren Wandel unterstützen. Es geht um eine andere Verteilung von Verantwortung, von Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern und um den gleichberechtigten Zugang von Frauen und Männern zu Bildung und zum Arbeitsmarkt.

Studien zum Thema

Beruf und Familie vereinbaren – nur für Gutverdiener oder für alle? Studie der Arbeitnehmerkammer
http://www.arbeitnehmerkammer.de/cms/upload/Publikationen/Politikthemen/Gleichberechtigung/beruf_und_familie_gutverdienende.pdf

Dokumentation des Fachtags Alleinerziehende in Bremen
http://www.bba-bremen.de/documents/Dokumentation_Fachtag_210613_mit_Anlagen.pdf

Bericht der Bundesregierung 2015 über den Stand des Ausbaus der Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren für das Berichtsjahr 2014:
http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Kif_C3_B6G-F_C3_BCnfter-Bericht-zur-Evaluation-des-Kinderf_C3_B6rderungsgesetzes,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Alleinerziehende unter Druck, Studie der Bertelsmann-Stiftung
http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Alleinerziehende_unter_Druck.pdf

Lösungsansätze

Betreuungsangebote für alle Kinder verbessern und ausweiten

Eine Grundvoraussetzung für die Berufstätigkeit von Eltern ist eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder in Krippe, Kindergarten, Hort und Schule. Was in vielen Ländern Europas eine Selbstverständlichkeit ist, muss auch bei uns endlich erreicht werden. Noch immer brauchen wir den Ausbau eines qualitativ hochwertigen Betreuungsangebots für alle Kinder. Von einer künftigen Landesregierung erwarten wir, dass das Betreuungsangebot ressortübergreifend (Soziales und Bildung) quantitativ und qualitativ ausgebaut und flexibilisiert wird. Dabei müssen Betreuungslücken (beispielsweise mit Ende der Elternzeit, bei Beginn einer Qualifikation oder der Aufnahme einer neuen Arbeitsstelle oder in den Schulferien) systematisch definiert und geschlossen werden. Die Angebote müssen zeitlich flexibler werden, damit auch Randzeiten und situative Betreuungserfordernisse schnell und unmittelbar abgedeckt werden können.
Neben dem Ausbau des Betreuungs- und Ganztagsangebots für Kinder bis sechs Jahre in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung muss in Schulen der im Bremischen Schulgesetz verankerte Betreuungsauftrag mehr Gewicht bekommen. Eine Chance dafür bietet die organisatorische und pädagogische Ausgestaltung von Ganztagsschulen.

Gute Vereinbarkeit zum Standortfaktor entwickeln

Vereinbarkeitspolitik ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Wirtschaftsthema geworden. Gute Möglichkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, gelten längst als Standortfaktor. Auch mit Blick auf den Fachkräftemangel gilt: Je weniger Beschäftigte ihre Erwerbsarbeit aus familiären Gründen unterbrechen, je besser sie in Kontakt zur Erwerbsarbeitswelt und zu fachlichen Entwicklungen bleiben und je schneller sie zurückkehren, umso mehr bleiben sie den Unternehmen als Fachkräfte erhalten statt in unbezahlter Familienarbeit zu verharren.
Von der künftigen Landesregierung erwarten wir, dass sie gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit schafft, die Wirtschaft dabei einbezieht und bremische Unternehmen darin unterstützt, eine familien- und lebenslauforientierte Personalpolitik zu etablieren und weiterzuentwickeln.

Neue Familienleitbilder politisch stärken

Elternschaft und Pflegebedürftigkeit von Angehörigen wirken sich auch heute noch ganz unterschiedlich auf Männer und Frauen aus, ganz besonders auf die innerfamiliäre Arbeitsteilung und die Arbeitsmarktbeteiligung. Frauen übernehmen nach wie vor einen übermäßig großen Anteil der Verantwortung für die Familie und bezahlen dafür mit großen Nachteilen für ihre soziale Sicherheit und mit persönlichen Armutsrisiken.
Von einer künftigen Landesregierung erwarten wir, dass sie sich auf Bundesebene dafür stark macht, gesetzliche Regelungen abzubauen, die der Aufnahme oder Ausweitung einer Erwerbstätigkeit von Frauen entgegenstehen (Ehegattensplitting und Minijobs) und eigenständige Ansprüche an die sozialen Sicherungssysteme begrenzen oder gar verhindern (Mini- und Midijobs, Rentenrecht, Rechtskonstruktion der Bedarfsgemeinschaften im SGB II).
Umgekehrt erwarten wir, dass alle Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker als bisher Männer adressieren. Das würde dem sich wandelnden Rollenverständnis von Frauen und Männern gerecht werden.

Zurück zur Kurzfassung