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Für Mädchen und junge Frauen

Analyse

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Die Gesellschaft, in der wir leben, ist von Ungleichheiten, Hierarchisierungen und Ungerechtigkeiten gekennzeichnet. Neben sozialem Status, Herkunft, Bildungshintergrund, Beeinträchtigungen oder sexueller Orientierung ist Geschlecht einer der wichtigsten sozialen Platzanweiser. Dies bezieht sich nicht nur darauf, wer was sein und tun muss. Als „männlich“ geltende Attribute (z.B. Karriereorientierung, Erfolg und Durchsetzungsvermögen) werden generell höher bewertet als „weiblich“ verstandene Tätigkeiten und Eigenschaften (Familienorientierung, Sorgearbeit, Kommunikation); unabhängig davon, ob sie von Männern/Jungen oder Frauen/Mädchen ausgefüllt werden.
Geschlecht wirkt: in Elternhaus, Kindertagesstätte und Schule, in der Freizeit, in Medien und in Peer-Bezügen. Geschlechtsspezifische Zuweisungen werden sozial-kulturell vermittelt und durchgesetzt. Sie prägen den Alltag und schränken Entwicklungspotenziale von Heranwachsenden ein. Trotz formulierter Gleichheitsansprüche machen Mädchen und junge Frauen Ungleichheitserfahrungen aufgrund ihres Geschlechts. Diese werden jedoch oft nicht als Ergebnis von Diskriminierung oder männlicher Dominanz wahrgenommen, sondern als individuelles Problem dargestellt und damit verdeckt.
Erziehung und Bildung sind wichtige Schlüssel für eine Lebensorientierung von Mädchen (und Jungen). Sie können zur Erhaltung von geschlechtsspezifischem Rollenverhalten, von Stereotypen und Hierarchien unter den Geschlechtern beitragen und bauen diese nicht unbedingt ab. Dafür bedarf es vieler Voraussetzungen. Mit der Verabschiedung von Papieren ist es nicht getan. Pädagogik und Soziale Arbeit müssen an den bestehenden Geschlechterrealitäten ansetzen und sich einmischen. Geschlechtergerechtigkeit wird nur wirksam, wenn die in Schule und Jugendarbeit Verantwortlichen in ihrem Alltagshandeln konkret und erkennbar auf der Grundlage von Gender-Wissen und -Kompetenz handeln.

Lebensplanung und Berufsorientierung

Ein Teil der Mädchen macht in der Schule die besseren Abschlüsse, aber nicht wenige können diese nicht hinreichend für eine entsprechende Berufswahl, einen Ausbildungsplatz im dualen System, für eine berufliche Karriere oder ihre dauerhafte Existenzsicherung nutzen. Die sogenannte Bildungsrendite in der Lebensverlaufsperspektive ist für Frauen tendenziell ungünstiger, bis hin zu prognostizierter Altersarmut. Und selbstverständlich gibt es Mädchen, die aufgrund schlechter Startbedingungen besonders auf Orientierung und Unterstützung von außen angewiesen sind.
Der Ausbildungsreport 2014 des DGB konstatiert ein Berufswahlverhalten junger Frauen und Männer nach alten Rollenbildern und Stereotypen. Resultat sind sogenannte „typische“ Frauen- und Männerberufe, die aufgrund struktureller Unterschiede bereits in der Ausbildung zu Ungleichbehandlungen führen und sich nachteilig für einen großen Teil der weiblichen Auszubildenden erweisen: schlechtere Bezahlung und weniger Übernahmen nach Abschluss der Ausbildung.

Studien zum Thema

Lösungsansätze

Lebensplanung und Berufsfindung geschlechtergerecht gestalten

Lebensplanung und Berufsfindung sind für die Gleichstellung ein Dreh- und Angelpunkt. Erfahrungen von Mädchen bei Betriebspraktika, Einfluss der Eltern sowie eine reflexive Auseinandersetzung mit den Stereotypen der Mädchen sind wichtige Themen der Arbeit. Mädchen brauchen Vorbilder und gute Beispiele sowie eine Berufsberatung, der es gelingt, sie bei ihren Vorlieben abzuholen, aber ebenso zu "anderem" zu ermutigen.
Dabei darf Berufsorientierung nicht zu früh und zu zielgerichtet geschlechtsstereotyp bahnen und darf sich nicht in erster Linie an den Bedarfslagen des Arbeitsmarktes orientieren. Ziel muss es sein, dass sich junge Frauen und Mädchen frei entfalten und ihren Beruf und ihre Lebensform aus dem ganzen Spektrum aller Möglichkeiten wählen können.

Geschlechtergerechtigkeit in Bildungseinrichtungen umsetzen

Die Handreichung „Mädchen und Jungen an Bremer Schulen“ (http://www.lis.bremen.de/sixcms/media.php/13/Handreichung_eine_schule_f%FCr_jungen_und_m%E4dchen.pdf) zeigt, wie geschlechtergerechte Bildung auf den unterschiedlichen Ebenen gehen kann: über persönliche Haltungen der Lehrkräfte, über die Gestaltung des Unterrichts, des Schullebens, der Institution Schule insgesamt. Mit dieser Handreichung hat das Bildungsressort eine Programmatik vorgegeben, die mit Leben gefüllt werden muss. Die Umsetzung kann nur gelingen, wenn sie mit konkreten mittel- und langfristigen Zielen, Umsetzungsschritten, Ressourcen und Zuständigkeiten hinterlegt wird. Instrumente der internen und externen Qualitätsprüfung und Evaluation müssen Geschlechtergerechtigkeit erkennen und prüfen können. Genderkompetenz muss Bestandteil von Studium, Lehramtsausbildung und Fortbildung sein. In den Fortbildungsinstituten für LehrerInnen ist diese Kompetenz über personelle Zuständigkeiten zu sichern.
Einrichtungen aus der Mädchenarbeit haben viel Erfahrung in der Arbeit mit Mädchen, sind nah dran an deren Bedürfnissen, Themen und Interessen. Diese Fachlichkeit sollte mehr für die Weiterentwicklung einer geschlechtergerechten Schule genutzt werden.
Die Arbeit in den Kindertagesstätten muss ebenso geschlechtssensibel sein. Fachkräfte müssen darin durch Rahmenbedingungen, Fortbildungen und Hilfen bei der konkreten Umsetzung unterstützt werden.

Mädchenarbeit als wesentlicher Teil geschlechtergerechter Jugendarbeit sichern

Mädchenarbeit ist unverzichtbarer Teil einer geschlechtergerechten Jugendarbeit. Sie ist über gesetzliche Vorgaben und politische Vereinbarungen verpflichtend gesetzt. Sie erschöpft sich nicht in geschlechtergerechter Pädagogik, sondern gestaltet Rahmenbedingungen und Strukturen der Jugendarbeit insgesamt. Im Rahmenkonzept für die Jugendarbeit Bremen ist sie fort- und festgeschrieben. Die Leitlinien Mädchen*arbeit (pdf, 690.6 KB)(2014/2015) konkretisieren die Ansprüche und zeigen die Rahmenbedingungen für Mädchenarbeit im Land Bremen auf. Dabei wird es in der Umsetzung besonders darauf ankommen, dass es sowohl beim Land Bremen also auch bei den Trägern und Jugendeinrichtungen fachkundiges Personal mit entsprechenden Aufgaben und Ressourcen gibt, dass auf allen Ebenen konkrete Ziele formuliert und diese im Qualitätsdialog überprüft werden. Die Anforderungen des Gender-Budgeting sind dabei von besonderer Bedeutung.

Mädchen beteiligen

Mädchen angemessen anzusprechen und in allen sie betreffenden Belangen zu beteiligen, erfordert neben einer Fachlichkeit im entsprechenden Feld einen geschlechterbewussten Blick auf den Beteiligungsprozess in all seinen Phasen: ein Wissen darüber, wie unterschiedlich Mädchen und Jungen „ticken“, welche Klischees wirksam sind und wie mit ihnen konstruktiv umgegangen werden kann. Damit wird gewährleistet, dass die Einladung zur Beteiligung und die Art und Weise der Durchführung Mädchen und Jungen gleichermaßen erreicht und anspricht und nicht dominante oder besonders leicht erreichbare Gruppen bevorzugt. Dies gilt für Schule und Jugendarbeit.

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