Sie sind hier:

Berufsorientierung: typisch weiblich – typisch männlich?

Kommentar der Landesfrauenbeauftragten Bettina Wilhelm zum Zukunftstag am 22. April 2021

Bettina Wilhelm (Foto: Elisa Meyer)

„Aufgrund der Corona-Pandemie können Schüler:innen beim diesjährigen Zukunftstag nicht vor Ort in Berufe hineinschnuppern. Damit der Tag nicht einfach ausfällt, bieten einige Betriebe und Organisationen eine digitale Alternative an. Das ist wichtig. Denn wer meint, Mädchen und Jungen würden inzwischen die Entscheidung für einen bestimmten Beruf frei von Stereotypen treffen, der irrt. Obwohl Frauen in sogenannten Männerberufen in der Öffentlichkeit durchaus präsent sind, verändert sich das Berufswahlverhalten junger Menschen nur sehr langsam. Hier wirken nach wie vor starre Geschlechterklischees – Mädchen gehen unverändert oft in den Dienstleistungs- und Sorgebereich, Jungs wählen meist Berufe in Technik, Informatik oder Naturwissenschaften. Das spiegelt sich auch in den Zahlen der Studierenden wieder: In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Anteil der weiblichen Studienabsolventinnen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) um gerade einmal 2,2 Prozent auf 24,6 Prozent erhöht. Zudem werden seit Jahren rund ein Drittel aller Ausbildungsverträge in nur zehn Berufen abgeschlossen – also aus einem engen Spektrum gewählt. Bei den Mädchen zählen Kauffrau für Büromanagement und medizinische Fachangestellte zu den meistgefragten Ausbildungsberufen, bei den Jungen stehen Kfz-Mechatroniker und Fachinformatiker ganz vorn.

Talente entdecken statt Vorgaben folgen

Grundlage für die Berufswahl sollten aber gerade nicht klischeebehaftete Vorfestlegungen, sondern die eigenen Stärken der Kinder und Jugendliche sein. Dafür braucht es einen unvoreingenommenen Blick auf Interessen und Begabungen: Was kann ich gut, was macht mir Spaß? Und nicht: Welcher Beruf passt zu mir, weil ich ein Mädchen bin? Der Zukunftstag beziehungsweise Girls‘ und Boys‘ Day ist ein wichtiges Element, um Veränderungen anzustoßen und Klischees zu hinterfragen. Für Jungs bringt dieser Tag die Chance, in soziale und Dienstleistungs-Bereiche hineinschnuppern. Mädchen können naturwissenschaftliche oder handwerkliche Berufe erkunden und technische Talente entdecken. Gute Erlebnisse an einem solchen Tag können wichtige Impulse liefern, wenn es später an die Berufswahl geht.

Ein Tag reicht nicht aus, deshalb haben wir "Be oK" gestartet

Ein Tag pro Schuljahr reicht allerdings nicht aus – Berufsorientierung jenseits geschlechtsspezifischer Vorurteile muss ein viel stärkeres Gewicht an Schulen bekommen. Mit unserem Projekt „Be oK – Berufsorientierung und Lebensplanung ohne Klischees“ setzen wir genau da an. In interaktiven Projektwochen erkunden Schüler:innen der Jahrgangsstufen 6 spielerisch ihre Stärken und lernen Klischees kritisch zu hinterfragen. Das Besondere an unserem Ansatz: Wir beginnen früher als die klassische Berufsorientierung und beziehen das gesamte Umfeld der Jugendlichen mit ein. Denn gerade Eltern, Lehrkräfte und Gleichaltrige spielen eine entscheidende Rolle, was die Prägung von Klischees angeht.“

Weitere Informationen zum Projekt „Be ok – Berufsorientierung und Lebensplanung ohne Klischees“ finden sich unter www.be-ok.de. Schulen im Land Bremen oder im Landkreis Osterholz können die „Be oK“- Erlebnisprojektwochen für jeweils die gesamte Jahrgangsstufe 6 anfragen.

Bremerhaven: ZGF und Hochschule bieten MINT-Tag

Die ZGF Bremerhaven bietet heute anlässlich des Zukunftstags ein digitales Angebot für Schüler:innen der fünften bis siebten Klasse. In Kooperation mit der Hochschule Bremerhaven bekommen Jugendliche die Möglichkeit, sich von zu Hause aus mit spannenden Themen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu beschäftigen. Die Teilnehmerinnen haben im Vorfeld ein Überraschungspaket mit Material erhalten, das sie für die Bearbeitung der Aufgaben benötigen.