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Senat positioniert sich gegen sexistische Werbung

Sexistische Werbung soll künftig schnell von Bremer Werbewänden verschwinden. Dazu hat der Bremer Senat in seiner heutigen Sitzung (4. April 2017) ein Verfahren beschlossen. Damit setzt der Senat einen Beschluss der Bremischen Bürgerschaft von 2014 um, der maßgeblich auf eine Petition von Bürgerinnen und Bürgern zurückgeht.
Für öffentliche Werbeflächen des Landes und der Stadtgemeinde Bremen gelten künftig Leitlinien, die den Grundsätzen des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen entsprechen. Sie bieten Kriterien, um im Einzelfall ein Werbemotiv als frauen- oder männerfeindlich zu bewerten. So soll Werbung keine Aussagen oder Darstellungen verwenden, die Personen wegen ihres Geschlechts oder anderer Merkmale diskriminiert, die Gewalt ästhetisiert oder die den Eindruck erweckt, Personen seien käuflich zu erwerben oder sie auf ihre sexuelle Funktion reduziert.

Beschwerdestelle für Bürgerinnen und Bürger wird eingerichtet

Bürgerinnen und Bürger haben ab sofort die Möglichkeit, sich direkt an eine zentrale Beschwerdestelle zu wenden, wenn sie an geschlechtsdiskriminierender Werbung auf öffentlichen Werbeflächen des Landes und der Stadtgemeinde Bremen Anstoß nehmen. Diese Aufgabe übernimmt die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). Sie wird entlang der Leitlinien eine Einschätzung abgeben. Die Entscheidungsbefugnis darüber, ob ein beanstandetes Plakat abgehängt wird, bleibt bei der jeweilig für die Fläche zuständigen Fachbehörde. Auf Werbeträger in privater Hand haben Land und Kommunen keinen Einfluss.

Einen Hinweis zur Beschwerdemöglichkeit gibt es direkt auf vielen Plakatflächen. So verweist das Unternehmen Ströer, das viele öffentliche Werbeflächen bestückt, auf seinen Werbewänden auf eine Rufnummer seines Reklamationsmanagements. Eingehende Beschwerden werden von dort fortan an die ZGF weitergeleitet.

Sexistische Werbung ist keine Geschmacksfrage

"Werbung begegnet uns täglich in vielfacher Hinsicht, sie beeinflusst uns, ob wir wollen oder nicht. Und sie setzt ein bestimmtes Bild von Frauen und Männern", erklärt Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe. "Wenn dabei mit Vorurteilen und Verhaltensweisen gearbeitet wird, die Frauen oder Männer abwerten, verächtlich darstellen oder auf ihre bloße Sexualität reduzieren, kann das ernsthaft niemand wollen. Deshalb ist es gut, dass der Senat jetzt ein klares Signal gesetzt hat: Keine sexistische Werbung auf öffentlichen Flächen." Denn sexistische Werbung richte Schaden an, erläutert Hauffe weiter: "Sie reproduziert bestehende Rollenbilder und Vorurteile und wirkt so unmittelbar in die Gesellschaft. Sie steht im Weg, wenn es darum geht, bestehende Rollenzwänge zu überwinden und die Gleichstellung der Geschlechter weiter voranzutreiben."

Klar geregeltes, transparentes und schnelles Handeln

Eine Bremer Bürgerin hatte 2013 erfolgreich eine Petition auf den Weg gebracht, die forderte, sexistische und frauenverachtende Werbung auf öffentlichen Werbeflächen nicht länger zu dulden. Sie bezog sich auf eine Kampagne der Organisation terre des femmes gegen Sexismus in der Werbung. Dem folgte ein Beschluss der Bremischen Bürgerschaft, laut dem sexistische und/oder diskriminierende Werbung auf öffentlichen Flächen zu unterbleiben habe und Beschwerdemöglichkeiten bekannt zu machen seien.

"Der Senatsbeschluss ermöglicht nun ein klar geregeltes, transparentes und schnelles Handeln", so Joachim Lohse, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, dessen Ressort zuständig ist für die Vermarktung der öffentlichen Werbeflächen. "Das entspricht einer deutlich spürbaren Entwicklung in unserer Gesellschaft: Menschen sind zunehmend weniger bereit, sexistische und diskriminierende Werbemotive hinzunehmen. Woran man früher vielleicht achselzuckend vorbeiging, stört und verärgert jetzt. Es gibt ein steigendes Bewusstsein darüber, dass Rollenbilder, die manche Werbung vermittelt, nicht mehr zeitgemäß sind. Deshalb werden wir das abstellen."

Weitere Informationen zu sexistischer Werbung und Beschwerdemöglichkeiten

www.frauen.bremen.de/info/sexistische Werbung